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Wie plant man eine Fernwanderung? – Teil 2

Routenplanung zu Hause und unterwegs

Da es keine ausgewiesene Streckenführung gibt, ist eine eigene Routenplanung unerlässlich. Natürlich könnten wir auch einer der vielen Strecken anderer NPLer folgen…wir wollen allerdings unseren eigenen Weg finden und gehen. Außerdem rechnen wir fest damit, dass wir die zu Hause geplante Route unterwegs das ein oder andere Mal anpassen müssen – sei es, weil das Wetter uns dazu bringt oder wir einen Einkaufstop einlegen wollen.

Aber eins nach dem anderen. Mit Blick auf die Karte von Norwegen wird schnell klar, dass wir die Route nur in Abschnitten planen können. Zunächst gilt es festzulegen, wo wir unbedingt langkommen wollen. Aufgrund der geografischen Ausdehnung gibt es im Süden Norwegens wesentlich mehr Routenoptionen als im „schmalen“ Norden. Auch wenn wir überwiegend im Zelt übernachten wollen, kann es durchaus vorteilhaft sein, auf dem Weg an Hütten des DNT (norwegischer Wanderverein) vorbei zu kommen. Diese bieten uns (nach Bezahlung) die Möglichkeit, sich tagsüber aufzuwärmen oder bei einer besonders widrigen Witterung darin zu übernachten.

Zu Beginn ist im Süden Norwegens bereits die Entscheidung zu treffen, ob es durch die Hardangervidda gehen soll oder nicht. Dafür spricht, dass wir damit recht früh eine tolle Landschaft erleben können. Dagegen spricht allerdings, dass die Hardangervidda eine Hochebene ist, die auf 1200-1400 m liegt. Das hat zur Folge, dass der Schnee des Winters dort deutlich länger liegen bleibt und Flüsse aufgrund der Schneeschmelze und fehlender Sommerbrücken (das sind Brücken, die in Skandinavien nur für die Sommermonate aufgebaut werden) unpassierbar sein können. Da wir keine Winterausrüstung, keine Skier oder Schneeschuhe mitnehmen (und tragen) wollen, ist die Hardangervidda für uns nur dann eine Option, wenn nicht mehr viel oder kein Schnee liegt – aber auch dann wäre die Querung einiger Flüsse noch eine Herausforderung. Wenn wir die Hardangervidda nicht queren, werden wir wohl einige Straßenkilometer in Kauf nehmen müssen. Um die Schneeverhältnisse einschätzen können, ist die Website http://www.senorge.no/index.html?p=senorgeny&st=snow wirklich hilfreich. Hier können historische Daten und Vorhersagen eingesehen werden.
Nach langem Hin- und Her haben wir uns entschieden, erstmal ohne die Hardangervidda zu planen und ihr bereits im Sommer 2022 einen Besuch abzustatten. Wenn es die Schneeverhältnisse 2023 zulassen, können wir immer noch spontan umplanen.

Aber wie genau plant man überhaupt mögliche Routen?

Wir haben uns dazu erstmal eine Übersichtskarte von Norwegen (Michelin Straßen- und Tourismuskarte, 100x120cm) aufgehangen. Zugegebenermaßen ist der Maßstab von 1:1.250.000 nichts, womit man im Detail etwas planen kann. Dennoch ist es für uns sehr hilfreich (und zugegeben ein wenig furchteinflößend) Gesamt-Skandinavien auf einer Karte zu sehen und sich so die Route im Ganzen vorstellen zu können. Für eine Übersicht der DNT-Hütten haben wir noch eine Planungskarte, sog. Planleggingskart, für Nord, Mittel und Südnorwegen von Nordeca in Norwegen beim DNT bestellt. Die Details planen wir mit Onlinekarten, wie GoogleMaps oder ut.no und Offline mit Garmin Basecamp. Auch ist die Nutzung von Komoot für die Planung hilfreich.

Planungskarten vom DNT
Planungskarten vom DNT

Planleggingskart, Nordica

Garmin Basecamp Route für NPL

Highlight meiner Routenplanung per Garmin Basecamp. Das Ergebnis nach 5 h Berechnung einer Route von Start bis Ende.
Ganz so einfach ist die Planung also nicht. 🙂

Garmin Basecamp Route Rjukan-Geilo

vorläufige Route von Rjukan bis Geilo, Ansicht in Garmin Basecamp, OSM-Karte

Planungskarten Vom DNTGarmin Basecamp Route Für NPLGarmin Basecamp Route Rjukan-Geilo

Nutzung von Karten?

Wir haben entschieden, dass wir auch unterwegs möglichst auf Karten verzichten wollen. Auch hier gibt es ein Für und Wider:

+ Vorteil bei der Nutzung von Karten ist, dass man sie zusammen mit einem Kompass immer nutzen kann und nicht darauf angewiesen ist, dass das Handy oder GPS-Gerät ausreichend Akku hat. Da wir ohnehin unsere beiden Handys mitnehmen wollen und ich noch eine GPS-Uhr (Garmin Fenix-Serie) nutze, schätzen wir das Risiko eines Komplettausfalls unserer GPS-Technik als sehr gering ein. Darüber hinaus habe ich von Martin Kettler (www.norgepalangs2013.com) noch den Tipp bekommen, für evtl. heikle Passagen (z. B. unmarkierte Abschnitte) Kartenausschnitte von ut.no auszudrucken. (An dieser Stelle sage ich „Danke“ an Martin für die Tipps zur Routenplanung und dem generellen Austausch zum NPL und der Trekking-Ausrüstung.)
Die Stromversorgung unterwegs wollen wir durch zwei unabhängige Powerbanks sicherstellen. Bei unseren bisherigen Touren haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein Smartphone im Ultraenergiesparmodus locker ein paar Tage durchhält und eine Powerbank mit 20.000 mAh Kapazität für uns ausreicht, um verschiedene per USB ladbare Geräte (z. B. Handys, GoPro, Kamera, Stirnlampe) für zwei Wochen mit Strom zu versorgen. Dass wir unsere Handys nicht für Nonsens nutzen, versteht sich von selbst. Ohne Mobilfunk/Internet ist die Nutzbarkeit ohnehin sehr eingeschränkt.

+ Ein weiterer Vorteil bei Papierkarten ist die bessere Übersicht. Und ganz ehrlich, natürlich macht es auch deutlich mehr Spaß vor einer Karte zu knien und sich mögliche Routen vorzustellen. Hier kann das Handydisplay einfach nicht mithalten.

– Nachteilig bei der Nutzung von Karten ist, dass man diese auch mitschleppen muss. Das mag bei einer Wanderung über zwei bis drei Wochen kein großes Thema sein, aber beim NPL kommen doch schon einige Karten zusammen. Einige NPLer schicken sich die Karten daher in Versorgungspaketen (später dazu mehr) selber zu. Da wir mit möglichst wenigen Versorgungspaketen auskommen wollen, kommt dies für uns nicht in Frage. Daher sehen wir hier einen großen Vorteil bei der Nutzung des Smartphones.

Welche App ist geeignet?

In der Offline-Navigation habe ich gute Erfahrungen mit der App OSMAnd gemacht. Die App erfordert einiges an Einarbeitung. Auch wenn ich sie bereits ein paar Jahre nutze, bin ich mir sicher, noch nicht alle Funktionen zu kennen. Ich habe schon häufiger festgestellt, wie umfangreich die App ist und wie viele Daten man darüber abrufen kann. Z. B. kann man sich unterschiedliche Kartenstile, Hangneigungen, Höhenlinien und offizielle Wanderwege anzeigen lassen, aber auch ganz viele POI (Points of interest) – selbst die Anzeige der nächsten Sitzbank ist möglich. Dabei ist – wie auch bei Papierkarten – zu beachten, dass die POI veraltet sein können. So ist es möglich, dass eine Wasserquelle durch einen trockenen Sommer versiegt ist. Für die Offline-Kartendaten werden jedoch auch regelmäßige Aktualisierungen zur Verfügung gestellt.
Leider habe ich bei der Streckenplanung festgestellt, dass die OSM-Karten in Skandinavien nicht alle Details abbilden. So kann es sein, dass einige Wege, die in topografischen Karten zu finden sind, in den OSM-Karten fehlen. Als Alternative zu OSMAnd werden im Internet verschiedene Apps (u. a. Norgeskart, UT und Topo GPS) empfohlen, die ich nun alle heruntergeladen habe und auf Herz und Nieren prüfen werde. Mein Ziel ist es, mich möglichst auf eine App festzulegen, um nicht zwischen verschiedenen Apps hin- und herspringen zu müssen. Mal sehen, ob der Plan so aufgeht.

Generalprobe

Um unsere Entscheidung gegen Papierkarten einer Generalprobe zu unterziehen, wollen wir bei unserer Tour durch die Hardangervidda eine Papierkarte nur als Backup mitnehmen und bevorzugt das Handy nutzen.

So viel zur Theorie…unsere bisherige grobe Routenplanung reicht gerade mal von Lindesnes bis zum Rondane-Nationalpark, also gut 460 km Luftlinie, bleiben noch schlappe 1240 km Luftlinie.

An die Norwegen-Kenner und NPLer:

Gibt es Zwischenziele, die wir unbedingt in unserer Routenplanung berücksichtigen sollen? Dann schreibt uns gerne oder nutzt die Kommentarfunktion unter diesem Artikel. Wir freuen uns über eure Tipps!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hallo,

    richtig interessant euren planungen zu folgen und ganz viele gute informationen zu bekommen über Wege und Ziel.
    ich plane auch gerade meine Tour und eure Website ist gold wert. Ich hab mir aber vorgenommen im Juni 23 loszulaufen um hoffentlich die Hardangervidda laufen zu können.
    ich hab immer wieder etwas schiss vor der Planung aber mache regelmäßig ein wenig um das Ziel nicht zu verlieren. Vielleicht treffen wir uns mal.
    Vier Beine unter einem Zelt sind ja unübersehbar.
    Gruß
    moritz

    1. Hallo Moritz,

      schön zu hören, dass dir unsere Seite gefällt. 🙂
      Wenn wir dir bei der Planung weiterhelfen können, melde dich gerne. Wir haben allerdings auch nur theoretische Kenntnisse zu der Tour und sind daher gespannt, sie bald mit der Realität verproben zu können.

      Viel Erfolg bei deinen weiteren Planungen!
      Stefan

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