Skip to content

Pyrenäen 2025 – Haute randonnée pyrénéenne

Tag 4, 04.08.2025

Unser Wecker klingelt um 6 Uhr. Draußen ist es noch stockdunkel, doch eine Stunde später ist es bereits hell. Wir sind noch nicht ganz im Trott und deshalb erst um 8 Uhr startklar.

Unser erster Aufstieg liegt noch im Schatten und es ist angenehm kühl. Der Weg über die Steine ist deutlich markiert und nicht sehr komplex.

Auch der weitere Aufstieg ist in Ordnung. Oben begrüßt uns die Sonne – das wird wieder ein heißer Tag!

Wir können auf die bewirtschaftete Hütte Rèfuge de Pombie blicken und den langen, langen Abstieg, der nun auf uns wartet.

Über die nächsten Stunden geht es ausschließlich bergab, mal steiler, häufig entspannt.

An der Hütte ist viel los, also gehen wir zügig weiter.

Wir legen regelmäßig Pausen ein, da uns die Hitze sehr anstrengt. Heute haben wir 27 Grad, Tendenz steigend. Das sind fünf Grad mehr als gestern und die merken wir deutlich. Nach der Hälfte des Abstiegs sind wir auf einer Höhe, auf der kein Wind mehr geht. Stattdessen umgeben uns Kühe und Schafe.

Zudem sehen wir in einiger Entfernung ein größeres Tier, das sich ähnlich wie eine große Katze bewegt. Wir können es nicht genau erkennen, sehen es aber dieses Mal beide.

Das letzte Stück des Abstiegs verläuft durch Wald und macht uns deshalb sehr glücklich. Endlich Schatten!

Ich bin total platt und habe das Gefühl, kein bisschen vorwärts zu kommen. Dass als nächstes 1000 Meter Aufstieg anstehen, macht es nicht direkt besser. Zum Glück beginnt auch dieser im Wald. Wir legen kurz vor Ende des Schattens eine etwas längere Pause ein und dann geht es weiter bergauf.

Der Weg ist weder kompliziert noch sonst in irgendeiner Weise schwierig. Der Anstieg ist sanft, die Wege einfach.

Doch erst nach der Hälfte stehen wir endlich wieder im Wind und alles wird erträglicher.

Dennoch ist auch der windstille Weg nicht langweilig. Es gibt viele Blumen am Weg zu bewundern.

Disteln, gestern noch blau, heute intensiv lila. Außerdem sehen wir diverse andere Blumen, die wir leider nicht näher bestimmen können. Im Reiseführer sind sie nicht abgebildet und Internet ist rar. Letztlich ist das auch nicht so wichtig, Hauptsache es gibt immer etwas zu entdecken. Jede schattige Stelle wird für eine Pause genutzt und so kommen wir immer weiter voran.

Bei unserer letzten Schattenpause teilt Stefan mir mit, dass wir bereits 12,5km geschafft haben. Ich bin komplett überrascht! Das ist viel mehr, als ich dachte. Inzwischen bin ich deutlich fitter als noch am Morgen und das gibt mir zusätzlichen Aufschwung. Also los, weiter hinauf.

Und dann kommen wir zum spannendsten Punkt des Tages: die passage d’orteig.

Wir könnten nun den Berg hinab steigen um dann wieder bergauf zu gehen,

doch dazu haben wir gar keine Lust. Das Wetter ist perfekt um stattdessen die seilgesicherte Passage am Berghang zu nehmen.

Als wir nach dem Weg dorthin Ausschau halten, spricht uns ein Amerikaner an. Er will uns den Weg, vorher aber den Blick auf die Passage zeigen.

Ohje! Von hier sieht das ziemlich gewagt aus. Stefan überlegt, ob wir hier am See zelten und die Passage morgen früh queren wollen, doch ich lehne vehement ab. Auf keinen Fall will ich die ganze Nacht dieses Bild vor Augen haben.

Also gehen wir los und aus der Nähe sieht der Weg schon wesentlich unspektakulärer aus.

Ich gehe voran, Stefan hinterher. Wir achten darauf, dass immer eine Hand an der Kette bleibt. Das klappt ziemlich gut.

Nur an einer Stelle ist das Gestein sehr schmal. Mein Herzschlag erhöht sich, aber nur wenige Schritte später ist der Spuk vorbei. Der weitere Weg der Passage ist wieder in Ordnung. Es gibt ein paar Kletterstellen, aber nichts Kritisches. Bei trockenem Wetter ist die passage d’orteig wirklich gut machbar.

Danach gibt es eine kleine Pause und wir freuen uns, dass wir nun nicht mehr so viel Weg vor uns haben. In der Nähe der Refuge d’Arrémoulit wollen wir zelten. Es reicht für heute. Der Weg dorthin führt bergab und ist steiniger und anstrengender als erwartet.

Wie das halt so ist, wenn man Feierabend machen will. An einer Stelle verlieren wir den Weg aus den Augen, weil wir eine Weile einem Murmeltier zusehen, das über die Felsen tappst und sich dann wunderbar auf einem Stein in Pose setzt.

Wir gehen also der Nase nach bzw. in Richtung der Hütte und finden den eigentlichen Weg zeitig wieder. Die Hütte ist aktuell geschlossen und wird komplett um- und ausgebaut. Das ist allerdings kein Grund, hier keinen Zeltplatz zu suchen. Jedenfalls sind hier viele Leute unterwegs und auch einige Zelten stehen bereits in der Landschaft. Diese ist allerdings äußerst Zelt-unfreundlich und sorgt dafür, dass wir ziemlich lange suchen. Wir sind sehr müde, sehr hungrig und wollen einfach nur das Zelt aufbauen. Die Stelle, die wir letztendlich nehmen, ist die erste im Umkreis und zumindest auch einzige, auf die unser Zelt passt.

Ehrlich gesagt müssen wir dafür beide Augen zudrücken und das Bauen eines schlaftauglichen Untergrundes erfordert nahezu ein Ingenieursdiplom, aber irgendwie geht es. Wir hoffen sehr auf eine extreme Müdigkeit, damit die Nacht erträglich wird.

Während wir unser Abendessen kochen, kommen noch einige Leute vorbei und das, obwohl wir schon sehr abseits vom Weg stehen. Alle sehen ausnahmslos noch fertiger aus, als wir uns fühlen. Hoffentlich werden alle fündig, aber ich schätze, dass sie ähnlich viele Kompromisse eingehen müssen, wie wir.

Im Zelt haben wir eine ungewohnte Unordnung. Durch eine dezente Schräglage liege ich direkt an der Innenzeltwand, Stefan mit möglichst viel Erhöhung zwecks Ausgleichs neben mir und neben ihm das restliche Gepäck. Aber wir wollen nicht meckern. Fast hätten wir ohne Zelt einfach draußen geschlafen, nur braucht man auch dafür eine halbwegs brauchbare Liegefläche… Und zur Not: Morgen wird es bestimmt besser. Aber was tut man nicht alles für eine schöne Aussicht – vor allem wenn man definitiv nicht mehr weiter wandern will.

Tag 5, 05.08.2025

Die Nacht war besser als erwartet. Es ist nicht so, als wären wir ausgeschlafen, aber es ist in Ordnung. Wir starten um kurz nach 7 Uhr bei leichtem Wind und im Schatten.

Die Luft ist also noch angenehm frisch. Die Beine murren ein wenig, dass sie schon wieder aktiv sein müssen und das auch noch in der gefühlten Kälte. Doch schnell werden sie warm, denn es geht direkt bergauf. Die nur 160 Höhenmeter führen über Steine und Geröll.

Oben, am Col d’Arrémoulit, erwischt uns die Sonne und es sieht herrlich aus, wie sie nach und nach auch die einzelnen Berge anstrahlt.

Im vor uns liegenden Tal ist die Sonne noch nicht angekommen und wir freuen uns auf eine etwas längere Zeit ohne sie. Doch dafür müssen wir erst hinabkommen. Es geht steil bergab.

Jeder Schritt will mit Bedacht gesetzt sein, denn der Weg ist schmal, voller Steine und oft rutschig. Wir sind maximal konzentriert und erleichtert, als wir unten ankommen.

Dort geht es noch über ein Geröllfeld, das länger ist, als es aussieht und dann stehen wir endlich auf einem normalen und einfachen Weg.

Der Abstieg belief sich auf nur 200 Höhenmeter, aber gefühlt waren es mehr als 1000. Doch ich freue mich, denn meine Beinmuskulatur hat währenddessen kein bisschen gemeckert. Das ist bei Abstiegen ansonsten normal. Vielleicht gibt es am dritten Wandertag also schon Fortschritte. Das wäre jedenfalls ein wunderbares Omen für die nächsten Wochen.

Doch die Freude über Fortschritte kommt zu früh. Kaum wandern wir wieder in der Sonne, ist die Anstrengung bei uns beiden voll und ganz da. Nicht in den Beinen, aber im Kopf und gefühlt überall. Der Weg ist zur Abwechslung mal angenehm leicht, aber wir schleichen nur so dahin. Die Landschaft belohnt unsere Mühen fortwährend, aber uns beiden ist klar: das ist nicht unser Tag!
Dass wir nicht rückwärtsgehen, ist auch wirklich alles…

Die Hitze ist einfach nur anstrengend und so gar nicht unser Ding. Dazu die vielen Höhenmeter und die selten leichten Wege – die Pyrenäen fordern uns ganz schön!

Vielleicht spielt auch die Höhe noch mit hinein, aber bewusst merken wir das nicht.

Wieder machen wir häufige Pausen, trinken viel und versuchen uns irgendwie bei Laune zu halten.

Die Zeit verfliegt, aber wir werden nicht schneller. Wir fiebern der bewirtschafteten Hütte entgegen, an der wir eine Pause mit hoffentlich motivierender Verpflegung einlegen wollen, doch der Weg zieht sich. Die Staumauer zum See, an dem das Refugio de Respomuso liegt, will nur langsam näherkommen.

Zumindest scheint der Weg leicht zu sein, denke ich und schaue auf den GR11, der unterhalb von unserer Route verläuft. Der HRP sorgt stattdessen für sein eigenes Unterhaltungsprogramm und schickt uns über eine schmale Mauer, die von Pinien gesäumt ist. Breitere Stücke gibt es nur selten. Dafür schaffe ich es auf diesen, mich zweimal kurz hintereinander lang zu machen. Mein Frust ist riesig, die Schrammen nur marginal. Nur eine zusätzliche Staubschicht gibt es, aber die ist auf den trockenen Wegen ohnehin permanent vorhanden.

Je näher wir der Hütte kommen, desto mehr Leute sind unterwegs. Und dann sehen wir sie endlich und auch diese Hütte ist wirklich wieder traumhaft gelegen. Gute Stellen für Hütten finden, ist also nicht nur eine norwegische Tugend.

In der Hütte reihen wir uns in die Schlange ein. Alle wollen etwas essen und trinken. Für uns gibt es zwei Baguettes, dazu je eine Cola. Die Baguettes sind riesig und wir danach pappsatt.

Heute Vormittag kamen uns an einer Stelle auf dem Weg mehrere Personen mit 3000 Bones T-Shirts entgegen. Es sah sehr nach einem Lauf oder Ähnlichem aus, doch genaueres wussten wir natürlich nicht. In der Hütte entdecken wir aber das zugehörige Plakat: 102km, 7 Etappen, 6 Refugios. Pro Etappe im Schnitt also etwas weniger als 15km. Vielleicht sind wir also doch ganz gut unterwegs.

Um halb 2 starten wir wieder mit genug Wasser im Gepäck und einer neuen Schicht Sonnencreme. Bis auf wirklich kleine Stellen haben wir den Sonnenbrand bisher vermeiden können. Bei der permanenten Sonnenintensität gar nicht so leicht.

Leider hat die Hitze während unserer Pause nicht nachgelassen. Mühsam geht es also weiter. Doch bei mir läuft es nun besser. Wie auch gestern werde ich zum Nachmittag fitter und sehe dem weiteren Weg etwas versöhnlicher entgegen.

Stefan hingegen hat Kopfschmerzen und so machen wir zwei Kilometer weiter im Schatten eines großen Felsens erneut Pause. Weitergehen und den nächsten Anstieg wagen oder hierbleiben, am See mit endlos vielen Zeltmöglichkeiten? Stefan entscheidet sich für die erste Option, nachdem die Kopfschmerzen durch die Pause etwas nachlassen.

Den Anstieg zum Col de la Fache ist lang, aber erst im letzten Stück etwas anspruchsvoller. Dort geht es nur noch über loses, kleines Geröll, das wieder viel Aufmerksamkeit für die Schritte erforderlich macht.

Als wir denken, dass der schlimmste Teil geschafft sei, folgt der richtig steile Aufstieg zum Pass. Puh, damit hatten wir gar nicht gerechnet.

Das Höhenprofil auf sowohl Uhr als auch Handy sahen irgendwie entspannter, weil gleichmäßiger verteilter aus.

Oben angekommen sind wir ganz schön k.o. und hoffen sehr darauf, dass der Abstieg weniger komplex ist. Der gut erkennbare Weg sieht zumindest danach aus.

Auf der Bergseite rechts von uns sind noch vereinzelte Schneefelder. Dadurch weht hier ein erstaunlich frischer, aber sehr angenehmer Wind. Über den Hang verteilt sind immer wieder Schafe zu sehen und zu hören, die zeitweise kleine Gerölllawinen auslösen. Wäre ich ein Schaf, ich würde mir ein einfacheres Gelände aussuchen…

Der Abstieg sieht leider nur leicht aus, sorgt aber durch das viele Gestein wieder für langsame und bedachte Schritte.

Noch in einiger Ferne sehen wir einen See und hoffen sehr darauf, dass sich dort ein brauchbares Fleckchen zum Zelten finden lässt. Als wir allmählich weg vom Geröll und zum Grünen kommen, können wir wieder ein paar Murmeltiere sehen. Sie wirken schnell aufgeschreckt und warnen mit ihrem schrillen Ruf ihre Verwandten und Bekannten.

Endlich am See angekommen, finden wir gleich mehrere passende Stellen und entscheiden uns für die mit der schönsten Aussicht.

Im gegenüberliegenden Gebirge bilden sich ab und zu kleine Nebelwölkchen und verbreiten eine hübsche Stimmung.

Zum Wasser holen und Waschen gehen wir an den See. Da der keinen erkennbaren Zufluss hat, filtern wir lieber. Ganz einfach ist das nicht, denn sobald man eine Hand samt Filterbeutel ins Wasser steckt, wird man von kleinen neugierigen Fischen umzingelt. Es fehlt nicht viel, dass sie in den Beutel schwimmen. Doch die Hände sind interessanter und als wir unsere Füße ins Wasser stellen ist ebenso viel los.

Wir bekommen also eine Maniküre und Pediküre gratis, denn die Fische sind höchst eifrig dabei unsere Hautschuppen (vermutlich) abzuknabbern. Eine sehr kitzelige Angelegenheit, die wir nicht allzu lange aushalten. So dermaßen dreckig, wie wir hier jeden Tag werden, führt aber auch kein Weg am Waschen vorbei.

Nach dem Abendessen gibt es noch ein bisschen Schokolade, die inzwischen mehrfach den Aggregatzustand gewechselt hat und dementsprechend wild aussieht. Aber der Geschmack zählt!
Und dann wird geschlafen – wieder zu spät, aber unsere Tage sind hier einfach lang.

Tag 6, 06.08.2025

Am Morgen ist es unerwartet warm im Zelt. So warm, dass sogar die Unterwäsche, die wir gestern Abend gewaschen und nass aufgehangen haben, trocken ist. Draußen ist es dafür zumindest kurzzeitig noch kühl. Da wir der Sonne aber entgegen gehen, ist das Vergnügen wirklich nur kurz.

Kurz nach Beginn des weiteren Abstiegs haben wir eine ganz besonders schöne Begegnung. Direkt am Weg haben ein paar Murmeltiere ihre Höhlen. Darin leben, soweit wir das sehen, drei noch junge Murmeltiere. Zwei davon zusammen, eins ein Stück entfernt. Das Pärchen ist ob seiner Jugend offenbar noch sehr unbedarft und beäugt uns erst vorsichtig, dann aber sehr neugierig. Sie sind keinen Meter von uns entfernt und wechseln von Höhle zu Höhle, schauen sich auf dem kleinen Stück dazwischen interessiert um oder gucken uns aus ihrer Höhle heraus interessiert an. Wir sind begeistert!

Der restliche Abstieg dauert weitere 1,5 Stunden, allerdings ohne so ein schönes Unterhaltungsprogramm.

Im Tal befindet sich das Refuge Wallon, das erst 2022 neu eröffnet wurde. Das Gebäude sieht aus wie ein schickes Hotel, hat aber gerade zwecks Reinigung für uns geschlossen. Nachdem die Nachtgäste weg sind, schließen alle Hütten üblicherweise bis 11 Uhr. Wir nutzen die Bänke vor der Hütte für eine Pause und dann geht es – logisch – bergauf.

Doch wir haben Glück. Der Aufstieg liegt zuerst noch im Schatten.

So ist es immerhin ein klitzekleines bisschen weniger anstrengend. Als dann auch noch Wolken aufziehen, sind wir vollends beseelt. Denken wir. Dass die Luft dadurch nicht frischer, sondern nur drückend wärmer wird, ist unserer Meinung nach unverschämt. Langsam macht sich bei uns Verzweiflung breit. Wieso nur sind wir so unendlich langsam? Wandern können wir, Höhenmeter können wir eigentlich auch… Aber Hitze können wir nicht soo gut und die Kombination macht es wohl so anstrengend. Wir sind frustriert. Es ist unglaublich schön hier, keine Frage. Aber es ist auch echt wahnsinnig anstrengend. So anstrengend, dass wir uns wirklich fragen, ob das sein muss.

Für den Moment können wir die Frage nicht beantworten. Es gibt nur eine Option: Weitergehen.

Nachdem der erste Part des Aufstiegs geschafft ist, kommen wir auf ein wunderschönes Plateau mit großem See.

Wir beschließen hier eine Mittagspause mit Nickerchen zu machen, um dadurch wieder Kräfte für den weiteren Anstieg zu sammeln. In der Hitze ist das nicht ganz einfach, aber zumindest ein bisschen Erholung verschafft es uns doch. Danach geht es zum steilen Stück des Aufstiegs.

Wir freuen uns, als wir (vorläufig) oben ankommen. Die Aussicht ist weiterhin bewölkt und diesig.

Wir wissen nicht genau, was das Wetter vorhat, aber gewittern soll es zumindest nicht. Das ist erst ab dem Wochenende angekündigt. Was für uns jetzt schon absolut feststeht, ist dass wir bei schlechtem Wetter definitiv nicht in den Bergen unterwegs sein wollen. Wir fühlen uns bei den guten (nur zu warmen) Wetterverhältnissen schon wirklich gefordert. Da brauchen wir in keinem Fall noch Gewitter oder Regen, wenn wir es irgendwie vermeiden können. Sollte sich also ein Wetterumschwung ankündigen, müssen wir einen Plan B finden. Bisher existiert der aber noch nicht.

Hinter dem Pass geht es am Bergrücken entlang.

Wir können erst hinter der nächsten Kurve erkennen, wo der letzte Aufstieg des Tages auf uns wartet und meine Laune sinkt bei diesem Anblick massiv.

Müssen wir jetzt wirklich runter ins Tal, um dann wieder komplett hochzugehen? Das kann doch nicht wahr sein! Und ist es auch nicht. Meine Aufregung war ganz umsonst, denn wenige Meter später können wir nicht nur den Anstieg, sondern auch unseren Weg bis dort gut sehen.

Wir dürfen nahezu auf unserer Höhe bleiben und folgen einem langen Pfad, der komplett am Berghang entlangführt.

Die letzten 150 Meter Aufstieg wollen wir schnell hinter uns bringen.

Ein kleines bisschen Kletterei ist erforderlich, aber dann stehen wir endlich oben, an einem namenlosen Pass.

Dass wir von dort direkt auf den nächsten Berg samt Weg hinauf gucken können, ist keine Motivationshilfe.

Wollen wir uns das heute noch antun? Doch bevor wir das entscheiden, müssen wir erstmal wieder weit herunter bis ins Tal.

Der Abstieg ist zur Abwechslung mal wieder lang, führt im oberen Teil über viel Geröll und je näher wir dem Tal kommen, desto sicherer sind wir: bis dorthin und nicht weiter. Das Tal besteht aus einer weiten, grünen Fläche und bietet wahnsinnig viele Zeltmöglichkeiten.

Natürlich gibt es auch eine bewirtschaftete Hütte, das Refuge des Oulettes de Gaube. Dass hier nachher noch viel mehr los sein wird, als jetzt schon zu erkennen ist, ist uns bewusst. Doch der Abstieg macht müde und wann nach dem nächsten Aufstieg wieder Zeltoptionen vorhanden wären, ist ungewiss.

Auf der Ebene angekommen, suchen wir uns einen Zeltplatz, der etwas abseits der vielen Leute ist. Stefan blockiert sicherheitshalber eine Stelle, während ich noch suche. Das Tal wird an einer Seite durch den Vignemale (3298m) begrenzt.

Wir haben einen beeindruckenden Blick auf die Reste des Gletschers und in dem weitläufigen Blockfeld unterhalb finde ich eine passende Stelle, die uns ganz bestimmt ohne Nachbarn die Nacht verbringen lässt. Noch ist es aber zu früh für den Zeltaufbau und wir liegen ein bisschen im Gras, sind müde, aber froh über die getroffene Entscheidung.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, gehen wir einmal rüber zur Hütte.

Wir haben die vage Hoffnung, dort eine Limo zu bekommen, mit der wir auf unseren Hochzeitstag anstoßen können, doch es wird nichts mehr verkauft. Dann holen wir das halt ein anderes Mal nach.

Neben unserem Zelt essen wir zu Abend und gehen anschließend endlich mal früh ins Bett.

Hoffentlich wird die Nacht ruhig und entspannt. Einen kleinen (oder großen, wie man es nimmt…) Unsicherheitsfaktor gibt es nämlich. Auf der Wiesenebene, die nun ein Stück unter uns liegt, grasen mehrere Pferde. Wir haben schon sehen können, dass die Tiere zwar freundlich sind, sich aber beim Grasen auch nicht von Mensch oder Zelt stören lassen.

Die ein oder andere schlechte und noch sehr präsente Erinnerung kommt da auf…

Wir hoffen also sehr, dass unsere abgeschiedene Lage und doch recht viele Steine um uns herum dafür sorgen, dass sich maximal ein Schaf in unsere Zeltnähe verirrt. Die gibt es hier nämlich auch, lösen bei uns aber (bisher) noch keine Sorgen aus. 🙂

Comments (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen