Skip to content

Bikepacking 2025 – In die Pfalz und zurück

Zum Abschluss des Jahres 2025 gibt es noch einen letzten Bericht von uns. Da wir gerade sehr viel auf den Rädern sitzen (Die „Rapha Festive 500“ lassen grüßen), passt die Bikepackingtour vom Oktober für uns gerade ganz hervorragend ins Thema. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und euch allen einen guten Übergang in das neue Jahr – mit vielen Wanderungen, Radfahrten und sonstigen kleinen und großen Abenteuern. Auf dass es für uns alle ein gutes 2026 wird!

 

Tag 1, 03. Oktober 2025

Endlich wieder Urlaub. Wobei, eigentlich ging das viel zu schnell. So lang ist der letzte Urlaub zugegebenermaßen noch nicht her. Aber wir freuen uns trotzdem sehr! Heute Abend geht es nach Schottland und morgen auf die Isle of Skye. Die Wetteraussichten sind „durchwachsen“, aber zur Not kann man in Schottland schließlich noch Whisky trinken – und das ist doch immer ein guter Plan B!

Die Rucksäcke sind gepackt und da wir erst heute Nachmittag losmüssen, haben wir noch viel Zeit für ein gemütliches Frühstück und schöne Tätigkeiten wie Aufräumen und Putzen.
Stefan wuselt mit seiner typischen Vorurlaubsanspannung durchs Haus und macht mich damit ein ganz klein wenig verrückt. Aber so kenne ich ihn. Pünktlich um 16.10 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Bus kommt ebenfalls pünktlich und ist erstaunlich voll. Das passiert eigentlich nie. Ob das etwas mit dem Feiertag heute zu tun hat? Erfahrungsgemäß sind wir maximal 15 Minuten später am Venloer Bahnhof, doch das wird heute nichts. Dass an deutschen Feiertagen das komplette Ruhrgebiet nach Venlo fährt, ist normal. Deswegen meiden wir die Stadt an solchen Tagen auf jeden Fall. Doch meistens ist das Chaos nur im Vormittagsbereich groß. Eigentlich müsste es nun nur noch Stau aus der Stadt heraus geben, doch auch der Weg hinein ist völlig verstopft. Wir benötigen 50 Minuten für die kurze Strecke und verpassen damit den geplanten Zug nach Amsterdam. Der nächste kommt aber bald und käme noch früh genug am Flughafen an.
Also stehen wir am Bahnsteig und warten. Ich telefoniere kurz mit meinen Eltern, die gerade aus dem Urlaub zurückgekommen sind und empfehle ihnen zum Abendessen die von mir vorbereiteten Baguettes, die noch im Kühlschrank liegen. Da guckt Stefan mich plötzlich entsetzt an und sagt, dass der Flug annulliert sei. Ich lege auf und bin gleichermaßen schockiert. Bitte was? Der Zug fährt ein, aber wir bleiben stehen. Was machen wir denn jetzt? Immerhin gibt es in Amsterdam keine Drohnenprobleme, die momentan ständig Flughäfen lahmlegen. Bei uns heißt der Verursacher stattdessen Detlef. Das Tiefdruckgebiet sorgt für jede Menge Sturm und gleichermaßen für ausfallende Flüge. Danke Detlef!
Wir setzen uns erstmal auf die Stufen vor dem Bahnhof und beratschlagen uns. Vielleicht morgen nochmal versuchen? Aber ist das Wetter dann besser? Und was machen wir jetzt?

Erstmal nach Hause, so lautet der Plan. Wir gehen ein Stück aus dem Zentrum heraus, damit wir staufrei abgeholt werden können. Im auf dem Weg liegenden Albert Heijn kauft Stefan noch Chips und ein Frustbier und dann sitzen wir auch schon wieder in unserem Wohnzimmer.

Kurz darauf ist der Schottland-Urlaub endgültig gestrichen. KLM, unsere Airline, warnt vor weiteren Annullierungen bis einschließlich Sonntag (nochmal: Danke, Detlef!). Allerdings wäre Sonntag auch schon zu spät für uns, selbst wenn der Flug stattfinden würde. Dann bleibt zu wenig Zeit vor Ort, um die geplante Tour zu gehen.

Immerhin ist das Abendessen schon fertig. Kurz darauf machen wir uns spontan auf zu Freunden und vergessen den Urlaubsfrust für einige Stunden.

Tag 2 & 3, 04. – 05. Oktober 2025

Schon am nächsten Morgen, noch im Gästebett, telefonieren wir mit Stefans Schwester. Sie wohnt in Landau in der Pfalz und wird damit zu unserem neuen Urlaubsziel. Kein Flugzeug, kein Rucksack – Bikepacking ist angesagt. Einmal in die Pfalz und wieder zurück. So lautet unser sehr spontaner und neuer Plan.

Mit der Umsetzung des Plans verbringen wir das Wochenende. Die Rucksäcke werden aus- und die zum Glück schon vorhandenen Fahrradtaschen vollgepackt.

Unsere Wanderausrüstung wird zu diesem Zweck nochmal erheblich reduziert, obwohl wir nicht das Gefühl haben, beim Wandern mit zu viel Gepäck unterwegs zu sein. Doch die Fahrradtaschen sind schnell voll und schließlich hat das Bikepacking in Deutschland auch viele Vorteile. So kommen wir sehr regelmäßig an Supermärkten vorbei und benötigen nicht wirklich viel Verpflegung. Die vorbereiteten Mahlzeiten für den Schottlandurlaub bleiben also liegen. Für Tage, an denen die Kochmotivation gering ist, ist das gar nicht mal unpraktisch.

Das Wetter ist weiterhin stürmisch und regnerisch. Der Flieger fällt auch am Samstag aus und wir sind glücklich, die Entscheidung gegen die Tour schon vorab gefällt zu haben. Die zweite Enttäuschung bleibt uns also erspart.

Am Sonntag um 16 Uhr sind wir startklar. Doch es ist schon spät und es regnet weiter und überhaupt… Jetzt noch los? Unsere Motivation ist mäßig.

Wir machen eine kleine Probetour mit Gepäck, optimieren danach noch ein bisschen was und verlegen unseren Start auf den nächsten Morgen.

Tag 4, 06. Oktober 2025

Um 8.30 Uhr starten wir vor unserer Haustür.

Es ist bewölkt und frisch, aber wir sind durch und durch motiviert. Mal sehen, wie weit wir heute kommen. Der Plan ist am Mittwoch oder Donnerstag in Landau zu sein. Bis dahin sind es mindestens 350km, erfahrungsgemäß werden es mehr. Ich kenne Stefan und seine ständigen Plananpassungen schließlich. Zunächst führt die Route Richtung Eifel. Bis dahin ist es ein Stück zu fahren.

Obwohl wir gut gefrühstückt haben, lässt die erste Pause nicht lange auf sich warten. Schon nach 7,5 Kilometern läute ich den ersten Stopp ein – jedoch nicht freiwillig.

Ich habe einen Platten und übe mich im Schlauch wechseln. So ein Mist direkt zu Beginn. Hoffentlich geht das nicht so weiter, sonst wird das eine spannende Tour…

Der Schlauchwechsel klappt immerhin problemlos und so geht es kurz darauf weiter. Das ist auch gut, denn mir ist ziemlich kalt. Die Ausrüstung ist durch die spontane Tour nicht gänzlich optimal und mir fehlen Beinlinge (oder eine lange Hose). Während der Fahrt ist das nicht schlimm, im Stand aber doch durchaus kühl.

Die nächsten Kilometer verlaufen unspektakulär und begeistern nicht mit einer schönen Streckenführung. Kilometer um Kilometer geht es über Radwege und auf bzw. an Straßen entlang. Zum Einfahren ist das okay, aber spannend ist es nicht.

Für kurze Aufregung sorgt ein Mann, der mit einem Einkaufswagen auf die Straße läuft und ausschließlich nach rechts guckt. Dass da Verkehr von links kommen könnte, blendet er vollkommen aus. Laut rufend macht Stefan auf sich aufmerksam und entgeht damit einem Unfall.
Das Wetter ist windiger als erwartet, aber bis auf wenige Regentropfen immerhin trocken. Die ersten schönen Nebenstrecken erreichen wir erst bei Jülich. Zuvor durchfahren wir viele Orte, die wir vorher noch nicht kannten. Ein Verlust war das allerdings nicht.

Aber warum müssen wir überhaupt auf Straßen oder Radwegen fahren? Mit Gravelbikes hat man doch nahezu alle Möglichkeiten? Hätten wir beide ein Gravelbike, wäre das richtig. Nur steht Stefans in der Werkstatt und so musste er spontan auf das Rennrad umsteigen. Da ist die Wegauswahl leider doch etwas eingeschränkter.

Schon bald bemerken wir die Eifel, auch wenn wir sie noch nicht sehen. Allmählich wird es hügeliger und der Vorgeschmack auf die kommenden Tage wird deutlich. Am späten Nachmittag überlegen wir, wo wir heute übernachten wollen. Das Wetter spielt mit und das Zelt ist eingepackt, also warum nicht die erste Nacht wild campen.

Hinter Mechernich kaufen wir im Supermarkt für das Abendessen ein und einige Kilometer später suchen wir in den Feldern einen geeigneten Schlafplatz. Oberhalb vom Weg an einem Waldstück haben wir vielleicht Glück. Ohne Rad kundschafte ich den Weg dorthin aus und schrecke dabei ein paar große Hasen auf. Ein paar Meter weiter sehen mich die erstaunlich großen Hasen neugierig an und verschwinden dann im Dickicht. Eventuell waren es auch keine Hasen, sondern Rehe. Ich entschuldige mich für den Trubel, befinde den Platz aber dennoch als für uns geeignet. Zwar steht nur wenige Meter entfernt ein Hochsitz, aber wir gehen einfach davon aus, dass dort heute niemand hingehen wird. Einen Platz ohne Hochsitz in der Nähe zu finden, ist in der Eifel ohnehin kaum möglich.

Wir genießen unsere Aussicht, kochen draußen und bauen das Zelt erst in der Dämmerung auf. Als das Zelt gerade steht, fängt es an zu regnen und hört die ganze Nacht nicht mehr auf. Wir kuscheln uns in unsere Schlafsäcke und sind glücklich über den ersten Tag: 117 km waren es heute. So kann es weitergehen.

Tag 5, 7. Oktober 2025

Den Abend und die Nacht über hat es fast durchgängig geregnet. Ich schlafe allerdings wie ein Stein und bekomme das erst am frühen Morgen mit.

Um halb 7 klingelt unser Wecker, doch bis wir alles gepackt und verstaut haben, ist es 9.20 Uhr. Das spielt sich sicherlich noch besser ein in den kommenden Tagen.

Zum wach werden dürfen wir ein Stück bergab fahren. Zum richtigen Aufwachen geht es danach bergauf, und zwar mit knapp 13% Steigung. Keine Chance, da muss ich schieben. Stefan zeigt sich solidarisch und schiebt mit. Zum Glück ist der Aufstieg zumindest hinsichtlich der Länge überschaubar und die Fahrt kann fortgesetzt werden. Heute habe ich meine Merinohose unter die Fahrradhose gezogen. Die Beine haben es dadurch schön warm und bei dem wolkenverhangenen Nebelwetter schadet das definitiv nicht. Allerdings ist die Sitzposition nun so unangenehm, dass wir nach 12 km eine Pause an einer überdachten Bushaltestelle einlegen, damit ich die lange Hose loswerden kann. Vorher kochen wir noch Wasser für unser Frühstück auf, im Zelt hatten wir nämlich noch keinen Hunger.

Ein vorbeifahrendes Auto hält an und der Fahrer bietet uns seine Scheune als Pausenplatz an. Super nett, aber bis wir nun wieder alles eingepackt hätten… Wir lehnen widerwillig ab, insbesondere weil die Pause ansonsten vermutlich seeehr lang geworden wäre. Der Mann lässt es sich trotzdem nicht nehmen, uns etwas Gutes zu tun und reicht uns ein paar Kekse. Wir wollen nicht unhöflich sein und nehmen sie gerne an. 😉

Nach der Pause fülle ich unsere Wasserflaschen am nahegelegenen Friedhof auf und dann geht es mit bequemem Sitz weiter. Die Vulkaneifel fordert uns heute ganz gut. Ständig geht es bergauf, was für 50% von uns (also mich) sehr, sehr anstrengend ist.

Die Abfahrten belohnen uns für die Mühen und machen riesigen Spaß. Sowieso ist die herbstliche Eifel wieder sehr schön. Wir sind hier einfach gerne. Und mit dem Rad ist das eine ganz neue Erfahrung. Wir durchqueren Dorf um Dorf und legen bei Kilometer 35 die nächste Pause ein. Ein kleiner Snack, etwas zu trinken (das kommt unterwegs viel zu kurz!) und weiter geht es.

Wir wechseln heute viel zwischen Autostraßen und Fahrradwegen durch die Natur. Letzteres ist uns deutlich lieber, aber der Verkehr hält sich überall in Grenzen, sodass auch die Straßen kein Problem darstellen.
Einer der Anstiege fordert mich auf dem nächsten Stück sehr. Stefan fährt lieber konsequent an einem Stück durch. Ich pausiere immer wieder kurz, atme tief durch und weiter geht’s. Meine Oberschenkel genießen die Pause von wenigen Sekunden und fahren gleich entspannter weiter. So strample ich mich Stück für Stück den Berg hinauf. Hauptsache oben ankommen.

Leider belohnt die Abfahrt uns hier nicht wirklich. Es geht zwar steil bergab, allerdings in sehr vielen sehr engen Kurven. Hier mit voller Geschwindigkeit runterfahren? Das traue ich mir nicht zu! Also wird der Lenker besonders gut festgehalten und die Bremse erst recht. Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass sie besonders viel tut, doch sobald ich meinen Druck verringere, nimmt das Rad rasant an Geschwindigkeit zu. Also lieber weiter die Bremse betätigen.
Unten angekommen bin ich einfach froh. War das anstrengend! Bei freier Sicht und einfachen Straßenverhältnissen macht das ansonsten nämlich eine Menge Spaß, die volle Abfahrtsgeschwindigkeit zu genießen.

Nach 55 Kilometern setzen wir uns in Daun in ein Café und planen den weiteren Tag. Da meine letzte Erkältung noch nicht gänzlich verschwunden ist, buchen wir uns für heute Nacht eine Unterkunft. 38 km sind es bis dahin noch und das ist gut machbar.

Die Kilometer fliegen anschließend nur so unter uns hinweg. Das liegt weniger an der Cafépause, als an der überwiegend bergab führenden Strecke. Ca. 15 km folgen wir einen tollen Radweg, der uns mitten durch die Landschaft führt. Sogar einen 560m langen Tunnel gibt es.

Was ein Luxusweg!

Ein paar Anstiege gibt es aber natürlich trotzdem noch, auch wenn die Höhenzüge kurzzeitig etwas flacher werden. Wir haben die Eifel hinter uns gelassen!
Und dann, ganz plötzlich, biegen wir um eine Kurve und sind umgeben von Weinbergen.

Hallo Mosel! Wo kommst du denn so plötzlich her? Und wie schön das hier wieder ist. Überhaupt haben wir eine tolle Route durch unsere liebsten Wandergebiete für kurze Urlaube oder Wochenendausflüge: erst die Eifel, nun die Mosel, morgen der Hunsrück und dann noch die Pfalz. Absolut herrlich!

Jetzt geht es nur noch schnell bergab, einmal über die Mosel und dann stehen wir vor unserer Unterkunft in Rachtig. Dass das hier eine Pension ist, verrät absolut nichts am Äußeren des Hauses. Stefan erkennt das Haus jedoch und so klingeln wir. Ein älterer Mann öffnet uns und ist sichtlich irritiert, dass wir gebucht haben. Ob das Zimmer fertig ist, weiß er nicht. Uns ist es egal, zur Not warten wir halt. Wir schauen zusammen nach und haben Glück. Das Zimmer ist fertig und nachdem wir Handtücher haben, kann die Dusche kommen. Zum Abendessen geht es ins griechische Restaurant nur wenige Meter entfernt und anschließend ins Bett. Wir sind wieder sehr müde. Gegen 21 Uhr kommen unsere Zimmernachbarn ins Haus. Sie erkunden offenbar die Mosel als Weinregion (was definitiv auch eine gute Idee ist!) und haben hörbare Mühe, die Treppe und den Weg hinauf zu finden. Der Trubel sorgt dafür, dass die Eigentümerin besorgt (oder doch eher neugierig?) nachfragt, ob wohl jemand gefallen ist. Wir hören zur Antwort nur wildes Gekichere. Das zieht sich danach noch ca. eine Stunde, gepaart mit lautstarken Telefonaten im Zimmer und auf dem Flur. Doch um Punkt 22 Uhr schafft es die Kleingruppe irgendwie, ihr Lautstärkeniveau auf Zimmerlautstärke herunterzufahren. Ich bin beeindruckt!
Da die Zimmer hier recht hellhörig sind, hören wir sie zwar weiterhin, aber so ist das okay.

Heute sind wir knapp 93 km und ca. 1100 Höhenmeter Aufstieg gefahren.

Tag 6, 8. Oktober 2025

Ich habe gut geschlafen, aber die Uhr sagt, dass ich dringend den Tag im Bett verbringen sollte. So ein Blödsinn! Also stehen wir doch auf, duschen und gehen frühstücken. Der Tisch ist für uns im Wohnzimmer der Eigentümer gedeckt und die Hausherrin ist sehr bemüht und redselig. Neben Brötchen gibt es ihr frisch gebackenes Brot, diverse selbstgemachte Marmeladen, Müsli, Joghurt und weitere Brotbeläge. Stefan ist ganz fasziniert vom Eiersollbruchstellenverursacher und würde vermutlich gerne auch die Eier der anderen Gäste damit aufschlagen, beherrscht sich dann aber doch.
Das Wetter ist heute sehr neblig und sehr nass. Die Nebelfeuchte und der dicke Nieselregen motivieren uns nicht so sehr, aber wir wollen weiter. Damit es heute mal nicht so kalt an meinen Beinen ist, gibt Stefan mir seine Beinlinge und versucht sich selbst an der Merinohosen-Radhosen-Kombi. Bei ihm passt das zum Glück. Während der nächsten Stunden bin ich ihm dafür sehr, sehr dankbar!

Viel zu spät kommen wir auf die Räder und fahren die ersten Kilometer am Moselradweg entlang.

Dann geht es durch die Weinberge steil bergauf. Ein Stück auf dem Rad, dann aber zu Fuß. Schieben ist angesagt, das schaffen wir noch nicht mit den Rädern. Kehre um Kehre geht es hinauf, immer weiter in den Nebel.

Zumindest wird uns dabei ordentlich warm. Oben angekommen müssen alle Jackenlagen dann sofort wieder geschlossen werden, da der Fahrtwind unmittelbar den Körper runterkühlt. Eigentlich besteht der Tag im Wesentlichen darin, Jacken auf- und wieder zuzumachen. Wir fahren nun in den Hunsrück hinein, das den Nebel an der Mosel wie kleine Wolkenschleier erscheinen lässt. Aber das Wetter gehört hier im Herbst schon irgendwie für uns dazu. Durch die vielen kleinen Aufstiege kommen wir nur langsam voran. Meine Beine wollen heute nicht und haben ihre Kraft verloren. Ohje, und das ausgerechnet am Tag mit den meisten Höhenmetern. Ich zweifle sehr daran, wie ich unser Tagesziel erreichen soll. Nach einem kleinen Frustanfall fährt es sich dann aber immerhin etwas besser und im Zweifel bzw. bei zu hohen Anstiegen oder mangelnder Beinkraft wird halt geschoben. Das Tempo ist dementsprechend gering, aber vorwärts geht es dennoch. Die Straße rauf zum Museum Belginum ist von großen Obstbäumen gesäumt. Mengen an Äpfeln und Birnen hängen dort und würden gerne von uns gepflückt werden, doch leider sind die Äste außerhalb unserer Reichweite und direkt an der Straße auf der Leitplanke rumturnen erscheint uns auch nicht allzu sinnvoll. Ohne frisches Obst geht es also weiter. Am großen Kreisverkehr hinter dem Museum angekommen, versuchen wir uns möglichst elegant in den starken Verkehr einzufädeln. Es dauert einen Moment, dann passt es und wir freuen uns auf eine etwas längere Abfahrt. Dabei werden wir von einer großen Polizeikolonne auf Motorrädern begleitet. Da sie schneller sind als wir, überholen sie uns aber bald.

Der nächste Berg lässt nun nicht lange auf sich warten. Wir haben uns die Route ausgesucht, also können wir nicht meckern. Nun wird es aber wirklich steil und lang. Dazu verdichtet sich der Nebel zusehends. Tröstlich ist, dass auch das ein oder andere Auto ächzt, als es sich den Berg hochkämpfen muss.

Das Schieben ist ebenfalls durchaus anstrengend und geht in die Beine und den Oberkörper. Aber zumindest kommen wir so kontinuierlicher voran. Der Nebelwald um uns herum ist wieder richtig schön. So mag ich das hier im herbstlichen Hunsrück! Am höchsten Punkt angekommen, beträgt die Sichtweite ca. 100 Meter.


Da lohnen sich die blinkenden Rücklichter, Warnwesten/Jacke und die total hässlichen Helmüberzieher doppelt. Auch wenn ich uns in diesem Aufzug gerne als giftig leuchtende Pilzköpfe bezeichne, Verkehrssicherheit geht auf dem Rad definitiv vor – insbesondere, wenn man auf Straßen unterwegs ist.

Bergab erwarten wir, dass der Nebel nachlässt und das tut er auch. Dafür gibt es unvermittelt immer wieder kleine Schauer, die aber nur auf einer Länge von mehreren hundert Metern auftreten. Plötzlich da, plötzlich weg. Wettergrenzen sind schon verrückt.
Bei der nächsten Pause haben wir dann Aussicht.

Kaum zu glauben, dass wir heute nochmal was von unserer weitläufigeren Umgebung sehen dürfen. Ein vorbeigehender Spaziergänger empfiehlt uns noch einen Besuch in Herrstein, einem wunderschönen mittelalterlichen Ort. Das klingt gut, aber wir verschieben den Besuch lieber auf eine zukünftige Wanderung.

Für uns geht es auf einer eisigen Abfahrt weiter und rein in den Ort Niederwörresbach. Wir wollen die Landstraße umgehen und folgen der alten Umgehungsstraße. Dort ist es ruhig und wir können angenehm fahren. Bis wir plötzlich vor einem abgesperrten Steinbruch stehen.

Was soll das denn bitte? Kein einziges Schild weist vorher darauf hin, dass es hier nicht weitergeht. Da auf dem Gelände noch hörbarer Betrieb herrscht, wollen wir uns auch nicht unerlaubt über den Weg schleichen. Also zurück. So ein Mist!
Da bleibt nur die Route über die Straße. Dass es auch einen alternativen Fahrradweg gegeben hätte, entdecken wir erst am Abend. Der war für uns zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar. Das ist blöd, aber man kann auch nicht ständig alle Routenoptionen im Blick haben.

Im viel zu dichten Verkehr müssen wir also die Landstraße entlang. Zum Glück geht es bergab, sodass wir zügig unterwegs sind, aber die Kilometer sind dennoch maximal anstrengend. Die Autos wollen uns nicht hier haben und wir wollen schon gar nicht hier sein. Einen Seitenstreifen gibt es auch nicht und unsere Nerven liegen ziemlich blank. Als wir die Straße endlich verlassen können, sind hier unglaublich froh. Für die restliche Route steht fest, dass wir sowas nicht nochmal erleben wollen.

Die „restlichen“ Kilometer halten im Höhenprofil noch die fünf Zinnen für uns bereit, wie ich sie nenne. Fünf (erkennbare) Anstiege liegen noch vor uns, aber im Vergleich zum restlichen Tag sind die kein Problem. Nach 50 gefahrenen Kilometern fühle ich mich wieder fit und nehme jeden Anstieg in Angriff. Geschoben wird heute nicht mehr.

Wir peilen für heute einen Campingplatz an und freuen uns allmählich aufs Ankommen. Die Dämmerung naht und uns ist klar, dass wir uns beeilen müssen. Der späte Start heute Morgen rächt sich nun. Eigentlich müssten wir auch noch etwas zum Abendessen einkaufen, aber ob das noch klappt… Lieber erstmal ankommen. Die letzten Kilometer ziehen sich elendig und der Platz kommt einfach nicht näher. Jeder winzig kleine Hügel strapaziert die Nerven, aber dann ist es geschafft. Der Campingplatz ist nur noch wenige Tage geöffnet und dementsprechend leer. Wir haben freie Platzwahl und suchen ob der Leere einen Platz in bewohnter Umgebung. So bauen wir unser Zelt gegenüber des einzigen (!) Wohnmobils auf, dass hier noch Urlaub macht. Die Beleuchtung des Platzes hat schon Winterpause und auch sonst ist hier alles komplett verlassen. Im Schein unserer Kopflampe bauen wir das Zelt auf, da es jetzt dunkel ist. Unser Nachbar hilft noch mit einer Lampe aus. Wir haben also Glück und das Ehepaar ist auch noch sehr nett!

Da wir weder Lust haben mit dem Rad in der Dunkelheit zu irgendeinem weiter entfernten Supermarkt zu fahren, noch in den nächsten Ort zu laufen, bestellen wir uns Pizza zum Platz. Ein genialer Einfall von Stefan! Die dürfen wir am Campingtisch der Nachbarn essen und anschließend verziehen wir uns ins Zelt. Wir sind sehr müde und freuen uns auf eine erholsame Nacht. Heute kommen wir auf 92 km und knapp 1500 Meter Anstieg.

Tag 7, 09. Oktober 2025

Der Morgen begrüßt uns erneut mit Nebel. Obwohl wir früh aufgestanden sind, kommen wir nicht so richtig in die Gänge und sind dementsprechend spät unterwegs.

Immerhin noch deutlich früher als gestern. Mit dem Ziel vor Augen und dem Wissen, dass wir irgendwann am Nachmittag in Landau eintrudeln werden, sind wir aber wieder motiviert unterwegs. Zunächst geht es Richtung Kaiserslautern. Auf dem Weg machen wir bei einem kleinen Bäcker Halt. Die Qualität der Backwaren ist mäßig, bringt uns dadurch aber immerhin zum Lachen. Wir lernen, dass Gebäcke mit Apfel im Namen noch lange keinen Apfel enthalten müssen.

Bei der Fahrt durch Kaiserslautern stellen wir fest, dass man hier zwar durchfahren kann, aber nicht muss. Und dann begrüßt uns auch schon der Pfälzerwald. Es geht mal wieder hoch und runter und anschließend hoch und wieder runter. Das altbekannte Spiel. Die Straßen machen heute aber viel Spaß, da kaum Autos unterwegs sind. Als eine Abfahrtsstraße dann noch für LKW gesperrt ist, können wir die Straße richtig hinabsausen. Stefan fährt vor mir und gibt zusammen mit dem herbstlichen Wald um uns herum ein richtig schönes Bild ab. Ich wünschte, dass ich Fotos machen könnte, aber halte meine Hände lieber am Lenkrad. Also bleiben die Bilder nur in meinem Kopf.
Wir kommen heute gut voran. Die lahmen Beine von gestern sind Geschichte, nur bei Stefan meckert der linke Fuß. Aber das hält ihn nicht davon ab, hochmotiviert die Totenkopfstraße über mehrere Kilometer bergauf zu fahren.

Ich brauche zwar mehrere kleine Pausen, komme aber auch fahrend voran. Vielleicht haben die letzten Tage schon einen kleinen Trainingseffekt. Laut Darstellung auf dem Höhenprofil geht es erst steil bergauf, dann ist es ein Stück eben und danach geht es zum Abschluss nochmal steil bergauf. Wo die Ebene am Berg plötzlich herkommen soll, verstehen wir zwar nicht, freuen uns aber auf ein entspanntes Stück. Doch wer hätte es gedacht: es geht einfach kontinuierlich bergauf. Naja, was solls. Dann halt weiter, weiter, weiter. Die Freude ist bei uns beiden groß, als wir den Berg bezwungen haben. Im Vergleich zu unseren niederrheinischen Hügelchen sind das hier ja nahezu alpine Verhältnisse! Sehr glücklich machen wir nach der Abfahrt kurz vor St. Martin noch eine Pause. Die Abzweigung zur Kalmit haben wir „leider“ verpasst – so ein Pech aber auch.

Jetzt fehlen nur noch ein paar Kilometer. Wir liegen gut in der Zeit und sollten pünktlich ankommen. Die Fahrt durch die Weinberge ist richtig schön und auch die Orte, durch die wir heute fahren, gefallen uns gut. Insbesondere Rhodt unter Rietburg gefällt uns sehr. Wir sind durchaus versucht, die Räder abzustellen und stattdessen in die vielen Straußenwirtschaften einzukehren, aber das passt leider gar nicht zu unserem weiteren Urlaubsplan.

Um 16 Uhr kommen wir in Landau an und werden von Ulrike, Stefans Schwester und Paul, ihrem jüngsten Sohn, begrüßt. Nur wenige Minuten nach uns trifft Jakob, Pauls älterer Bruder, ein, der gerade von der Schule kommt. Nachdem Stefan und ich geduscht haben, setzen wir uns gemütlich zu Waffeln an den Tisch und plaudern eine Weile. Danach putzt Stefan die Räder, die die Dusche noch dringender benötigen als wir sie benötigt haben. Derweil fahre ich schnell mit Ulrike einkaufen, da wir Snacknachschub für den Rückweg brauchen.
Den restlichen Abend verbringen wir, dann auch mit Steffen, Ulrikes Mann, bei leckerem Abendessen, einem kleinen Glas Weinschorle und erzählen viel.

Tag 8, 10. Oktober 2025

Pünktlich um 7 Uhr sitzen wir gemeinsam am Frühstückstisch. Die Kinder machen sich anschließend auf den Weg zur Schule. Die Motivation dazu ist am letzten Tag vor den Ferien allerdings nicht mehr allzu groß. Wir beschäftigen uns nach dem Frühstück mit unserem Gepäck. Mit der Übung der letzten Tage schaffen wir es jetzt, alles so zu verstauen, dass eine Tasche hierbleiben kann. Stefans zweite Lenkradtasche war einfach nur störend und wird nun von Stefans Eltern mitgenommen, die zufällig nächste Woche hier sind.

Und mal wieder, als wäre das inzwischen der Standard, sind wir spät unterwegs. Dafür haben wir heute eine richtig schöne Route. Stefan ist auf die Idee gekommen, bei Komoot nicht mit „Rennrad“, sondern mit „Fahrrad“ zu planen – und siehe da: plötzlich schlägt uns das Programm haufenweise Radwege statt Straßen vor. Die Logik muss man zwar nicht nachvollziehen können, aber wir genießen die wesentlich angenehmeren Wege definitiv. Den kompletten Tag radeln wir durch die Weinberge.

Das ist während der ersten Stunden noch schön, führt aber irgendwann dazu, dass man (ich) nicht den Eindruck hat, irgendwie vorwärts zu kommen. Hinzukommt, dass wir mit Landau unser eigentliches Ziel erreicht haben und jetzt „nur noch“ der Rückweg ansteht. Auch wenn wir noch mehrere Tage unterwegs sind, dämpft das die Laune heute ein kleines bisschen. Als wäre das alles noch nicht genug, ist heute, wenn auch deutlich später als erwartet, ein Muskelkater in meine Beine eingezogen. Die waren wohl auch der Meinung, dass nach dem (Zwischen-)ziel eine Pause angesagt ist. Doch die gibt es erst wieder Zuhause.

Das Radfahren klappt dennoch gut, auch wenn Körper und Geist nicht zur Bestleistung beitragen. Durch die sich verändernden Kennzeichen kommt immerhin ein kleines Gefühl von Fortschritt auf, wenn die Landschaft in der Hinsicht schon nichts hergibt.
Unterwegs stellen wir fest, dass die veränderte Routenplanung zwar für wesentlich schönere Wege sorgt, manchmal aber auch hier kurze Ausfälle dabei sind. Wo Rennräder über vielbefahrene Straßen geschickt werden, werden „normale“ Räder plötzlich über Feldwege geleitet, die vorzugsweise aus überaus matschigen Löchern bestehen.

Zum Radfahren eher unangenehm, für Stefan auf dem Rennrad eine ziemliche Herausforderung. Ab und zu sind auch grobe Schotterstraßen vorhanden, die die Rennradreifen zum Glück unbeschadet überstehen. Stefan kann sich ein Grummeln nicht verkneifen, als er sehr behutsam fahren muss, während ich auf dem Gravelbike ziemlichen Spaß habe.

Hoffentlich ist sein Gravelbike bis zur nächsten Tour wieder da!

Durch unseren späten Start ist unser eigentliches Tagesziel von 130 km vor Einbruch der Dunkelheit nicht machbar. Uns fehlt die Zeit vom Morgen oder wir sind einfach nicht schnell genug unterwegs. Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem. Aber die 100 sollen es werden und das ist durchaus machbar.

Während ich im Supermarkt für unser Abendessen einkaufe, sucht Stefan einen Schlafplatz. Bis zur Dunkelheit dauert es nicht mehr lang, also sind wir zuversichtlich, dass wir zeitnah mitten in den Weinbergen eine brauchbare Stelle finden. Für ein paar letzte Meter geht es bergauf, dann kundschafte ich ein Wiesenstück aus und befinde eine Stelle als gut genug für unser Zelt. Wahnsinnig versteckt sind wir nicht, aber auch nicht direkt vom Weg aus zu erkennen. Außerdem, wer soll hier noch vorbeikommen? Der Abend ist unerwartet warm, sodass wir draußen vor dem Zelt essen. Auch wenn wir die Sonne wieder mal nicht gesehen haben, war es sehr angenehm, heute den ganzen Tag über keine Feuchtigkeit zu erleben – keine Regentropfen, keine Nebelfeuchte, einfach nur Trockenheit.

Dann geht es ins Zelt und der Vorsatz für den nächsten Tag ist klar: wir fahren früh los!

Tag 9, 11. Oktober 2025

Wir können es selbst kaum glauben, aber um 8 Uhr sind wir startklar! Da fragt man sich schon, was die letzten Tage bloß immer so lang gedauert hat…

Kurz nach dem Aufwachen haben wir noch wunderbare Ausblicke auf die Weinberge um uns herum, doch bald darauf zieht Nebel auf und verschluckt die komplette Umgebung.

Da das erste Stück über eine den Geräuschen nach zu urteilen stark befahrene Straße führt, verzichten wir dank Nebel aufs Fahren und schieben die Räder stattdessen über die Wiese neben der Straße. Zuerst klappt das ganz gut, da das Gras sehr kurz ist, doch leider hält das nicht an. Das Gras wird höher und die Füße zunehmend nasser.

Da wir eine Weile durch die Wiese gehen müssen, durchlaufen unsere Füße die drei bekannten Stufen der Nässe: nass – kaaaalt – taub. Als wir den offiziellen Radweg erreichen, müssen die Füße erstmal wieder warmgehüpft und die Socken ausgewrungen werden. Da Stefan in seinen Barfußschuhen gegangen ist, zieht er jetzt trockene Socken und Schuhe an und weil sein zweites Sockenpaar im Gegensatz zu meinem in greifbarer Nähe ist, nehme ich seins. Ist das herrlich! Die Füße fühlen sich direkt mindestens 20 Grad wärmer an.

Jetzt können wir endlich fahren. Um uns herum zeigen sich kleine Risse in der Wolkendecke und wir erhaschen Blicke auf einen blauen Himmel. Das wäre ja was!

Doch die Freude hält nicht lange an, denn wir fahren aus dem schönen Wetter hinaus und begeben uns wieder in das bekannte Grau aus Wolken, Wolken, Wolken.

Nach den ersten ca. 20 Kilometern sind wir in Bingen. Wieder ein kleiner Meilenstein, hier aus eigener Kraft angekommen zu sein. Vor ein paar Jahren beendeten wir hier den Soonwaldsteig – jetzt sind wir mit dem Rad hier. Der größte Unterschied liegt nun wohl daran, dass wir nicht in 2,5 Stunden mit dem Auto nach Hause fahren, sondern noch bis morgen Abend unterwegs sind.

Dafür wird der Weg nun denkbar einfach. Es geht am Rheinradweg strikt geradeaus. Die Höhenmeter sind quasi fertig, jetzt heißt es nur noch Kilometer machen und die Ausblicke genießen.

Die vielen kleinen Orte hier am Rhein sind oft wieder malerisch gelegen und die Schiffe sind ein neuer Anblick. Doch die Einfachheit des Wegs hat ihre Tücken. Es ist monoton und bietet fahrtechnisch kaum Abwechslung.

Improvisation gegen kalte Füße

Das führt dazu, dass wir erstmalig Pausen brauchen, weil wir nicht mehr gut sitzen können. Gestern Abend haben wir noch darüber gesprochen, wie toll das klappt und dass wir deutlich mehr Probleme durch das lange Sitzen erwartet hätten und tadaa: heute haben wir sie!

Das ist ein bisschen gemein, sollte es doch jetzt nur noch entspannt nach Hause gehen. Wir vertreiben uns die Monotonie mit Musik und Podcasts. Den weiteren Tag verfolgen wir den Flusslauf, grüßen die Loreley in St. Goar

und weichen erst in Koblenz kurz vom Rhein ab. Eine Pause ist angesagt und die wollen wir in der Innenstadt bei einer Bäckerei verbringen. Da das Wetter weiterhin grau, aber trocken ist und wir die Räder nicht unbeaufsichtigt lassen wollen, setzen wir uns draußen an einen der Tische. Leider bemerken wir nicht direkt, dass dieser schon von vier Wespen besetzt war. Sie scheinen sich über uns und die Einkäufe zu freuen, doch die Freude beruht eindeutig nicht auf Gegenseitigkeit. So sehr wir die Pause brauchen, hier können wir sie nicht verbringen. Also schnell wieder auf die Räder und raus aus der Stadt. Erneut am Rhein angekommen, setzen wir uns auf die erstbeste Parkbank und genießen die mehr als verdiente und ruhige Pause nun doppelt. Keine Wespen in der Nähe, nur eine Vielzahl von Laufenten, die sich aber nicht für uns interessieren.

Ca. 85 Kilometer haben wir inzwischen auf dem Tacho und es ist noch früh am Nachmittag. Wir peilen heute einen Campingplatz kurz vor Bonn an. Das sind jetzt noch um die 50 Kilometer. Sollte machbar sein! Also geht es weiter. Das Sitzen wird zwar nicht bequemer, aber nach der Pause vorläufig deutlich erträglicher. Da müssen wir jetzt einfach mal durch und außerdem hätte es ja schon die ganze Woche über so sein können. Insgesamt läuft es also weiterhin gut.

Um 18 Uhr erreichen wir dann nach 139 km den Rheincamping Siebengebirgsblick. Hier ist noch einiges los, sodass wir nun nicht nach einem bewohnten Platz suchen müssen. Auf der Zeltwiese ist Platz ohne Ende, also haben wir freie Wahl. In den letzten Tagen muss es wohl stark geregnet haben, denn die ganze „Wiese“ ist sehr nass und matschig. Wir suchen ein halbwegs trockenes Fleckchen, doch insgesamt ist das hier eine ziemliche Schlammschlacht. Naja, ist ja nur eine Nacht und morgen sind wir dann wieder in unserem eigenen Häuschen ohne Matschwege.
Der Campingplatz verfügt über einen Imbiss und wir ergattern vor Ladenschluss noch jeweils eine Pizza. Anschließend sind wir so müde, dass wir früh schlafen. Jetzt fehlen uns noch ca. 130 Kilometer zum Ankommen. Das schaffen wir morgen locker!

Tag 10, 12. Oktober 2025

Eigentlich müssten wir die Tour noch fortsetzen, denn jetzt haben wir den Dreh anscheinend raus. Wieder sind wir früh unterwegs und haben ein klares Ziel vor Augen: Zuhause! Das treibt an und so treten wir motiviert in die Pedale.

Erstmal geht es, na klar, am Rhein entlang.

Wir sind auf den ersten Kilometern ziemlich erstaunt, wie motiviert die Bonner sind. Es ist Sonntagmorgen, kurz nach 8 Uhr und noch kühl, doch auf den Wegen am Rhein ist schon eine Menge los. Beeindruckend! So motiviert bin ich Sonntagsmorgens eher selten…

In Rodenkirchen weichen wir kurzzeitig vom Rhein ab, da die Strecke durch die Stadt einige Kilometer kürzer ist. Und ehrlich gesagt macht es uns auch nichts aus, mal für ein paar Minuten keinen Rhein zu sehen. So anstrengend die Höhenmeter auf dem Hinweg auch waren, so abwechslungsreich war die Strecke dadurch. Das hat uns definitiv besser gefallen. Aber die Mischung machts und jetzt einfach und zügig voranzukommen hat natürlich auch was. Die Abbiegung nach Rodenkirchen führt uns unverhofft zur Frühstückspause bei einer Bäckerei, in der gerade Hochbetrieb herrscht. Das entspricht eher meinem normalen Bild eines Sonntagmorgens.

Bis kurz vor Dormagen sind wir dem Rhein noch größtenteils treu, auch wenn wir ihn nun vermehrt nicht mehr sehen. Da ist die Industrie im Weg und das ist nicht nur nicht allzu hübsch, sondern auch noch besonders nervig, wenn Frau mal austreten muss. So üben sich nicht nur meine Beine, sondern auch meine Blase in Ausdauer. Auch Radfahren kann Ganzkörpertraining sein!

Unser Plan sah nach der Frühstückspause eigentlich vor, dass wir nach ca. 30 weiteren Kilometern die nächste Pause machen wollten. Wir haben Zeit und keinen Grund, uns übermäßig zu beeilen. Doch nicht nur leicht getarnte Pinkelplätze sind Mangelware, auch Bänke gibt es keine mehr. Erst in Neuss kommt es zu der inzwischen sehr herbeigesehnten Pause. Beine und Po wollen ein paar Minuten entspannen. Das geht hier doppelt gut, denn plötzlich scheint sogar die Sonne. Dass wir das auf dieser Tour noch erleben dürfen!
Sie verschwindet zwar immer mal wieder, aber wir genießen jede einzelne Sekunde. Nun trennen uns nur noch um die 50 Kilometer vom Ankommen.

In Schiefbahn überlegen wir, noch kurz nach Willich abzubiegen und meine Schwester zu besuchen, aber entscheiden uns dann doch für den weiteren Heimweg. Der fühlt sich seit Neuss schon besonders vertraut an, da der Radweg überwiegend mit der Napoleonroute übereinstimmt. Die türkisfarbenen Markierungen auf den Wegen sind auch bei uns überall zu sehen. So nähern wir uns Ort für Ort und biegen nur kurz vor dem Ziel nochmal ab, um den schöneren Alternativweg über die Buschberge zu nehmen. „Berge“ muss man hier aber ins niederrheinische Verhältnis setzen. Die letzten Kilometer folgen wir also unserer beliebten Haus-und-Hof Strecke und dann sind wir auch schon da. Zuhause. Angekommen.

Fühlt sich komisch an. Das hat nämlich wirklich viel Spaß gemacht.

Andererseits, morgen mal einen Tag zu pausieren ist auch nicht schlecht. Denn zum Glück haben wir beide noch einen ganzen Tag Urlaub und freuen uns sehr darauf, es uns einfach nur gemütlich zu machen und die Beine hochzulegen.

Aber ab Dienstag könnten wir dann eigentlich auch einfach gerne weiter Radfahren…

Zahlen, Daten, Fakten:

7 Tage unterwegs
760km gefahren
~5500 Höhenmeter
2x Campingplatz
2x wild gezeltet
2x richtiges Bett
0x bereut, nicht in Schottland zu sein

Unsere Route:

Comments (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen